Hongkong IV: Wunder des Alltags

Nachdem ich mich während meiner ersten Tage in Hongkong nur minimal an den Reiseführer hielt und einfach drauf los gelaufen bin, entschied ich mich gegen Ende des Kurztrips dazu den empfohlenen Routen des Marco Polo Reiseführers zu folgen.

Als erstes suchte ich mir die „Wunder des Alltags“ aus

Los ging es am Tin-Hau-Tempel von Yau Ma Tei. Außer mir waren zu diesem Zeitpunkt kaum Menschen unterwegs. Ich beobachtete anfangs die städtischen Reinigungskräfte, wie sie damit begonnen den Vorplatz zu säubern. Die Tempelanlage selbst bestand aus drei Teilbereichen. Schon aus einiger Entfernung stieg mir der Duft von Räucherstäbchen in die Nase. Ein Mitarbeiter des Tempels nickte mir freundlich zu und winkte mich hinein. Die Kombination aus gedämpften Licht, Räucherstäbchen und vielen bunten Zetteln mit chinesischen Schriftzeichen empfinde ich als sehr beruhigend – ganz im Gegensatz zum dritten Teilbereich der Anlage: In rosa/pink gehaltene Plastikfiguren waren mir dann doch zu kitschig und passten meiner Meinung nach nicht zum Rest.

Vom Tempel aus ging ich weiter in Richtung Shanghai Street. Der Reiseführer versprach dort „eine weltweit einzigartige Mischung aus Devotionsläden, die Heiligenfiguren und Hausaltäre verkaufen sowie mit Haushalts- und Stahlwarengemischtgeschäfte“. Mich erinnerte das alles ein wenig an typische Straßenzüge in Vietnam. In schmalen Ladenfronten und dem dazugehörigen Bürgersteig stapelte sich das gesamte Inventar des Ladens. Leider hatten die meisten Geschäfte jedoch noch oder schon wieder geschlossen, so dass ich mich zügig westlich zum Obstgroßmarkt bewegte.

Statt den richtigen Eingang zu erwischen, schaffte ich es mal wieder völlig falsch abzubiegen und nahm die erstbeste Seitenstraße in die „urigen“ Verkaufshallen. Die dunklen schmalen Gassen wirkten auf mich alles andere als einladend. Außer mir war weit und breit kein Tourist zu sehen, stattdessen beäugten mich die einheimischen Verkäufer eher argwöhnig. Nach einigen Ecken und vielen weiteren seltsamen Blicken war ich froh eine größere Straße gefunden zu haben. Bis auf zwei, drei Stände hatte der Rest wohl schon geschlossen – für mich war der Obstgroßmarkt daher alles andere als ein Wunder des Alltags.

An der 1923 gebauten Yau Mai Tei Policestation vorbei lief ich nun zum Jademarkt. Während ich beim Obstgroßmarkt nur schief angesehen wurde, waren die Verkäufer des Jademarkts der Meinung an mir zerren und mich unentwegt ansprechen zu müssen. Nachdem sich dieses Spiel binnen drei Minuten mehrfach wiederholte, wurde es mir zu blöd und ich verließ die Halle wieder ohne mir die angebotenen Mineralien und Schmuckstücke angesehen zu haben. Wenn ich etwas wirklich nicht leiden kann, dann ist es angefasst und unentwegt angesprochen zu werden, obwohl ich deutlich gemacht habe mich in Ruhe umschauen zu wollen.

Der letzte Punkt der Strecke war mein persönliches Highlight: Der Obst- und Gemüsemarkt in der Reclamation Street. Keine Touris, dafür sehr viele Einheimische beim Shoppen. Nachdem ich das Gebäude durch einen unauffälligen Eingang betreten hatte, war ich sofort Teil eines großen „Gewusels“. Ältere Damen priesen an ihren Ständen Salat, Kohl und jegliches Gemüse an. Dennoch hing ein fischiger Geruch im Raum. Einen Gang weiter wusste ich wieso: Hier zerlegten die lokalen Fischhändler ihre Ware. „Messer rein, Gedärme raus“, wo ich nur hinblickte. Während das meiste für mich nicht definierbar war, blieb mir dennoch ein Käfig voller Kröten in Erinnerung. Außerhalb des Gebäudes zog sich eine lange Marktstraße durch die Häuserblöcke. Auf der Straße selbst wurde ebenfalls Obst und Gemüse verkauft, in den Häusern am Bordstein Fleisch und Seafood: Hühner- und Schweinefüße, Tintenfische etc. etc. Oberkörperfreies Arbeiten, oder das Fleisch direkt auf dem Boden sammeln? In Asien offensichtlich kein Thema.

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